Wenn einer aufhört zu arbeiten und plötzlich für beide etwas Neues beginnt

Warum der Ruhestand nicht nur den Einzelnen verändert, sondern auch die Partnerschaft

Wenn Menschen über ihren Ruhestand nachdenken, geht es zunächst meist um die eigene Zukunft. 

  • Wann möchte ich aufhören zu arbeiten? 
  • Was möchte ich dann tun? 
  • Worauf freue ich mich und was soll in meinem Leben künftig mehr Raum bekommen?

Wer in einer Partnerschaft lebt, merkt allerdings schnell, dass dieser Übergang nicht nur das eigene Leben verändert. Auch für den Menschen an der Seite beginnt etwas Neues.

 

Über viele Jahre hat sich meist ein gemeinsamer Rhythmus entwickelt. 

Arbeit gibt dem Tag Struktur, beide haben ihre Termine, Kontakte und Aufgaben. 

 

Und irgendwann fällt für einen von beiden ein großer Teil davon weg. 

Während der eine weiterhin morgens zur Arbeit fährt, bleibt der andere zu Hause. 

Oder beide verabschieden sich innerhalb kurzer Zeit aus dem Berufsleben und haben plötzlich sehr viel mehr Alltag miteinander.

 

Was lange selbstverständlich war, muss sich neu einspielen.

Wenn zwei Vorstellungen vom Ruhestand aufeinandertreffen

Vielleicht freut sich der eine schon lange darauf, endlich mehr gemeinsam zu unternehmen. 

Der andere dagegen möchte die neue Freiheit nutzen, um eigenen Interessen nachzugehen oder einfach einmal ohne festen Plan in den Tag zu leben.

 

Beides ist völlig nachvollziehbar. 

 

Schwierig kann es werden, wenn jeder davon ausgeht, dass der andere sich den Ruhestand genauso vorgestellt hat, wie man selbst.

 

Dass der Übergang in den Ruhestand tatsächlich beide Partner betrifft, zeigt auch die Forschung. 

Eine Langzeitstudie mit mehr als 2.000 Paaren aus dem Deutschen Sozio-oekonomischen Panel untersuchte, wie sich die Lebenszufriedenheit rund um diesen Übergang entwickelt. Im Durchschnitt stieg sie sowohl bei den Menschen, die in den Ruhestand gingen, als auch bei ihren Partnern. 

Gleichzeitig unterschieden sich die Entwicklungen von Paar zu Paar deutlich.

 

Der Ruhestand muss also keineswegs zur Belastungsprobe für eine Partnerschaft werden. 

Aber er ist eine Veränderung, die beide betrifft.

 

Eine französische Untersuchung zur Zeitverwendung von Paaren zeigt außerdem, dass zusätzliche freie Zeit durch den Ruhestand nicht automatisch im gleichen Maße zu mehr gemeinsamer Freizeit führt. 

Wie Paare die neu gewonnene Zeit miteinander und für sich gestalten, kann sehr unterschiedlich sein.

 

Vielleicht ist genau das eine wichtige Erkenntnis. 

 

Eine gute Partnerschaft im Ruhestand bedeutet nicht, möglichst viel gemeinsam zu machen. 

Es geht vielmehr darum, herauszufinden, was beide miteinander teilen möchten und wo jeder weiterhin seinen eigenen Raum braucht.

Reden bevor Erwartungen zu Enttäuschungen werden

Dafür braucht es keinen ausgefeilten Plan für die nächsten zwanzig Jahre. 

 

Aber es lohnt sich, miteinander ins Gespräch zu kommen, bevor aus unausgesprochenen Vorstellungen Erwartungen werden.

 

  • Wie stellst du dir unseren Alltag vor, wenn Arbeit nicht mehr den Takt vorgibt? 
  • Was möchtest du gerne gemeinsam machen? 
  • Was möchtest du weiterhin für dich haben? 
  • Gibt es etwas, worauf du dich besonders freust oder vielleicht auch etwas, bei dem du noch unsicher bist?

Auch ganz praktische Dinge können dazugehören. 

  • Verändert sich die Aufgabenverteilung zu Hause? 
  • Welche bisherigen Gewohnheiten möchten wir behalten? 
  • Wollen wir neue gemeinsame Rituale entwickeln? 
  • Und welche Freundschaften, Interessen oder Aktivitäten soll jeder weiterhin für sich pflegen?

Es geht nicht darum, alles im Voraus festzulegen. 

Viel wichtiger ist, die Vorstellungen des anderen überhaupt zu kennen.

Weiterführende Literatur

Die genannten Studien sind in englischer Sprache veröffentlicht. 

Die für diesen Beitrag relevanten Ergebnisse haben wir im Text auf Deutsch zusammengefasst.

 

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32427339/ Weber und Hülür (2021). Co-development of Couples’ Life Satisfaction in Transition to Retirement: A Longitudinal Dyadic Perspective. The Journals of Gerontology: Series B, 76(8), 1542–1554.

Stancanelli und Van Soest Studie (2016). Partners’ leisure time truly together upon retirement. IZA Journal of Labor Policy, 5, 12.

Auch das gehört zur Vorbereitung auf den Ruhestand

Möchten Sie sich intensiver mit dem Übergang in den Ruhestand beschäftigen?

➡️ Erfahren Sie mehr über unser Erntezeit-Programm.

 

 

Eure

Hilde Kloster & Christine Wall-Pilgenröder

Schreibe gerne einen Kommentar

Viele Menschen bereiten ihren Ruhestand sorgfältig vor. 

 

Sie beschäftigen sich mit Finanzen, Reisen, Wohnen oder neuen Hobbys. 

 

Die Frage, wie man als Paar diese neue Lebensphase gestalten möchte, bekommt dagegen oft weniger Aufmerksamkeit.

Dabei liegt gerade darin eine große Chance.

 

Für uns bedeutet Erntezeit, bewusst zu schauen:

 

  • Was möchte ich verabschieden ?
  • Was möchte ich bewahren ?
  • Was möchte ich Neues entdecken ?

 

Vielleicht braucht es dafür am Anfang gar nicht mehr als einen Kaffee, einen Spaziergang und eine ehrliche Frage.

 

Wie stellst du dir eigentlich unser Leben vor, wenn Arbeit unseren Alltag nicht mehr bestimmt?

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