Unruhe im Ruhestand

 

Friedrich Merz feierte vergangene Woche am 11.11. (in Köln einer der höchsten Feiertage, aber das ist eine andere Geschichte) seinen 70. Geburtstag. 

Er ist somit in einem Alter Kanzler geworden, in dem die meisten seiner Altersgenossen ihre berufliche Laufbahn längst hinter sich haben. 

Herr Merz sagte dazu, er fühle sich gesund und fit genug für den Job. 

 

Renteneintrittsalter

 

Fakt: In Deutschland liegt das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei 64,4 Jahren (Stand 2023), Tendenz steigend. Die gesetzliche Regelaltersgrenze liegt aktuell bei 66 Jahren – und wird bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Doch viele Menschen gehen früher – aus gesundheitlichen oder organisatorischen Gründen.

 

Lebenserwartung

 

Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung: Frauen in Deutschland werden im Schnitt 83,5 Jahre alt, Männer 78,9 Jahre. Das bedeutet: Wir verbringen im Schnitt 15 bis 20 Jahre im Ruhestand

Das ist mehr als ein Viertel unseres Erwachsenenlebens.

Das ist viel Zeit. Denke nur mal an eine vergangene Lebensphase von 20 Jahren. 

Was ist alles passiert zwischen unserem 30. und 50. Geburtstag?

 

Arbeit war nie nur Arbeit

 

Viele sehnen den Ruhestand herbei und freuen sich auf die wohlverdiente Freizeit ohne Wecker und Verpflichtungen. Aber vielen geht es auch so wie Herrn Merz, sie fühlen sich noch fit und voller Tatkraft.

 

Frage dich mal selbst:

Was hat dir deine Arbeit gegeben – außer Einkommen?

Vielleicht gab sie dir Struktur und Gemeinschaft.

Vielleicht war sie der Ort, an dem du Wertschätzung erfahren hast.

 

Vielleicht war sie dein Weg, Wirkung zu spüren, gebraucht zu werden, Einfluss zu nehmen.

Und jetzt? Plötzlich kein Outlook Kalender mehr, der sich von selbst füllt. 

Kein Team, das etwas von dir will. Keine Meetings, keine Deadlines, kein Feedback. 

 

Nur jeden Morgen sehr viel Zeit.

Das klingt wie Freiheit. Aber es kann sich auch ganz anders anfühlen. 

Du warst es gewohnt, gebraucht zu werden. Entscheidungen zu treffen. Menschen zu führen. Etwas zu bewegen. Und jetzt?

 

Es gibt den Begriff „Empty-Desk-Syndrom"

 

Doch nicht der leere Schreibtisch ist das Problem. Sondern das Vakuum, das entsteht, wenn die eigene Identität fast ausschließlich an Leistung, Funktion und Status hing

Wenn du beim Kennenlernen reflexartig mit deinem Job in der Firma geantwortet hast – statt mit dem, was dich wirklich ausmacht.

 

Der Gedanke, nicht mehr gebraucht zu werden, ist für viele bedrohlicher als das eigene Älterwerden.

Es war immer Teil deiner Identität, gebraucht zu werden. 

Und jetzt? - Die Kollegen? Die Kunden? Vermissen dich kurz – dann übernehmen andere. 

Das Team? Funktioniert auch unter der neuen Leitung. 

Die Projekte? Werden trotzdem abgeschlossen. Das kann kränken. Oder befreien. Meistens beides.

 

Doch vielleicht ist genau das auch ein Zeichen guter Führung: 

Wenn Dinge weiterlaufen, die du mit aufgebaut hast.

Vielleicht kannst du darauf auch stolz sein – statt gekränkt?

 

Ein Selbstversuch

 

Angenommen, du wirst aufgefordert: 

„Erzähle mir bitte deine Lebensgeschichte – aber lasse dabei alle beruflichen Stationen weg.“

Was würdest du sagen? 

Welche Menschen, Erlebnisse, Wendepunkte, inneren Veränderungen prägen deine Erzählung?

 

Und wenn du hier ins Straucheln kommst und lange überlegen musst, was du erzählen könntest, ist das kein Zeichen von Leere – sondern ein Weckruf.

 

Ruhestand – ein Wort, das sich seltsam anhört

 

Ruhen? Stand? Das Leben geht weiter – auch du. 

 

Wenn wir die dritte Lebensphase bewusst gestalten, wird Ruhestand zu einem inneren Prozess statt zu einem To-do-Plan. Mut zum Innehalten, Wertschätzung der Vergangenheit und Neugier auf das Kommende können Wegweiser sein. 

 

Und falls du Begleitung suchst: Wir sind gern deine persönlichen Reisebegleiterinnen. Gemeinsam finden wir Wege, Potenziale zu entfalten und die eigene Geschichte neu zu schreiben.

 

 

Eure

Hilde Kloster & Christine Wall-Pilgenröder

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